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Klimagerecht Bauen

Fachkonferenz der DUH zur Förderung nachhaltiger Dämmstoffe.

BBSR-Vortrag (Foto: natureplus)

Am 22. März fand auf Einladung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) in Berlin eine hochrangig besetzte Fachkonferenz zum Thema „Klimagerecht Bauen und Sanieren“ statt. Etwa 70 Teilnehmer aus Umweltverbänden, Wissenschaft und Ministerien, Architekten, Baustoffhersteller und Handwerksvertreter diskutierten einen ganzen Tag vor allem über die Umweltrelevanz der Bauproduktewahl. Die DUH-Fachkonferenz wurde im Rahmen des durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über seinen Projektträger, die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), geförderten Projekts „Stärkung Nachwachsender Rohstoffe im Dämmstoffmarkt (Star-Dämm)“ realisiert.

Das Bauwesen steht in Deutschland für über die Hälfte des Rohstoffverbrauchs sowie der Abfallmenge und für ein Drittel der CO2-Emissionen. Energieeinsparpotentiale wurden von der Politik bisher nur in der Nutzungsphase der Gebäude gesehen. Aber auch für die Herstellung der Bauprodukte wird je nach Material unterschiedlich viel Energie und damit CO2 aufgewendet. Von daher stellte sich für die Veranstalter die Frage, wie die für die Herstellung und für den Lebenszyklus der Baumaterialien benötigte Energie in den gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie in Bezug auf finanzielle Förderung berücksichtigt werden kann.

CO2-Reduktion als Staatsziel

In seiner Keynote betonte Lothar Fehn Krestas, Ministerialrat im Bundesbauministerium, den völkerrechtlich verbindlichen Charakter der deutschen Zusagen auf der Pariser Klimakonferenz. Damit werde die CO2-Reduktion zum Staatsziel, dem man auch bezüglich der Bauprodukte gerecht werden müsse. Merten Welsch vom BBSR referierte das BNB-System des Bundes sowie die Möglichkeiten, durch die Anwendung öffentlicher Datenbanken und LCA-Rechentools das Umweltprofil eines Baustoffs im Gebäude vereinfacht darzustellen. Grundsätzlich sei es aus Sicht der Bundesbehörde möglich und empfehlenswert, Nachhaltigkeitsaspekte in Gebäuden zu fördern, beispielsweise niedrige CO2-Äquivalente im Material. Er wies aber auch auf Zielkonflikte hin: So habe der wachsende Raumbedarf, der inzwischen auf 60 m² pro Kopf der deutschen Wohnbevölkerung gestiegen ist, die Fortschritte beim Wärmebedarf pro m² wieder zunichte gemacht.

Klimarelevanz von Baustoffen

Prof. Annette Hafner von der Ruhr-Uni Bochum zeigte anhand von Ökobilanzen die Klimarelevanz von Bauprodukten aus nachwachsenden Rohstoffen auf, wobei besonders die Frage der CO2-Speicherung kontrovers diskutiert wurde. Durch Verwendung nachwachsender Rohstoffe ließen sich nach ihren Berechnungen zwischen 35 und 56 % des CO2-Fußabdrucks im Einfamilienhausbereich einsparen, bei Mehrfamilienhäusern liegen die Einsparpotentiale zwischen 9 und 48 %. Prof. Ludger Dederich von der Uni Rottenburg kritisierte die geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen, die sich etwa bezüglich des Brandschutzes „an den Erfahrungen des Luftkrieges“ orientierten. Er merkte auch an, dass in die neue Musterbauordnung des Bundes (MVV-TB) ausgerechnet die 7. Grundanforderung der EU BauPVO „Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen“ nicht übernommen wurde. Eine vorbildliche Förderung von nachwachsenden Rohstoffen in seinen baurechtlichen Bestimmungen habe hingegen das Land Baden-Württemberg realisiert.

GEG Gegenentwurf

In drei Workshops wurde anschließend über Teilaspekte gesprochen. Dr. Anna Braune von der DGNB referierte über die Möglichkeiten, den Lebenszyklus von Bauprodukten rechtlich zu berücksichtigen. Sie stellte dabei den DGNB-Vorschlag für ein „Gebäude-Emissions-Gesetz“ vor, das die CO2-Vermeidung in den Mittelpunkt stellt. Neben der CO2-Emission im Betrieb solle ab 2025 auch die „graue CO2-Emission“ bei der Herstellung erfasst werden, dabei seien absolute Grenzwerte einzuhalten. Deren Überschreitung soll mittels einer CO2-Abgabe sanktioniert werden. Als Beispiel, wie dies funktionieren kann, führte sie die Niederlande an, wo seit diesem Jahr Ökobilanz-Grenzwerte für Wohn- und Bürogebäude gelten.

Klimapotential in Förderung einbeziehen

Im zweiten Workshop stellte Petra Bühner von der KfW verschiedene Möglichkeiten vor, wie Nachhaltigkeit in der Förderlandschaft weiter verankert werden könne, wobei sie unterstrich, dass die Förderrichtlinien der KfW von der Bundesregierung festgelegt werden. Sie musste zugeben, dass insbesondere im Sanierungsbereich immer weniger Komplettsanierungen durchgeführt werden. Insofern gebe es durchaus auch Überlegungen, neben dem Energieverbrauch in der Nutzung weitere Kriterien aufzunehmen. Eine Absage wurde hier allerdings dem Ansinnen erteilt, beispielsweise bei Verwendung von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen niedrigere U-Werte förderfähig zu machen. Positiv wurde dagegen die Idee aufgegriffen, künftig das CO2-Potential der Baustoffe in die KfW-Förderung einzubeziehen.

Herstellerverband kritisiert Markthemmnisse

Der dritte Workshop wurde von Heinz Amolsch, natureplus-Vorstand und Industrievertreter aus dem Bereich Naturfaserdämmstoffe, geleitet. Amolsch berichtete von Bestrebungen, die Hersteller von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen in einem gemeinsamen Verband zusammenzuführen, um ihre gemeinsamen Interessen besser zu Gehör zu bringen. Amolsch kritisierte „ungerechtfertigte Markthemmnisse“ für die Naturprodukte: So müssten sie mit einem Feuchtezuschlag auf den U-Wert rechnen und zusätzliche Nachweise nach geltendem Baurecht erbringen. Den Erlass der EEG-Umlage für die energieaufwändige Herstellung von synthetischen und mineralischen Dämmstoffen nannte er eine „Wettbewerbsverzerrung“.

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